+Colonia

+Colonia - Schaffung einer intelligenten und nachhaltigen Stadt

Die +Colonia-Initiative ist ein visionäres Stadtentwicklungsprojekt: Es beschäftigt sich mit der Schaffung einer 515 Hektar großen, intelligenten und nachhaltigen Stadt von Grund auf, strategisch günstig gelegen direkt neben dem historischen Hafen von Colonia del Sacramento in Uruguay. Mit einer geplanten Gesamtinvestition von ungefähr zwei Milliarden US-Dollar und einer Anfangsphase von 100 Millionen US-Dollar für den grundlegenden »Genesis«-Bezirk soll das Projekt zu einem Leuchtturm für Innovation und nachhaltiges Leben in Lateinamerika werden und die Region zu einem Technologie- und Innovationshub entwickeln.

In seiner initialen Phase ist der Stadtteil für etwa 15 - 20.000 Einwohner ausgelegt und soll tausende Arbeitsplätze in der Wissenswirtschaft schaffen, wobei die Flächennutzung zu etwa 70 % für Wohnraum und zu 30 % für Gewerbe vorgesehen ist. Die Vision für +Colonia ist es einerseits, das nächste und weiterentwickelte »Silicon Valley Lateinamerikas« zu werden, das globale Technologieunternehmen und Talente anzieht und gleichzeitig das lokale Unternehmertum fördert. Andererseits gilt es auch, die Nähe zur Metropole Buenos Aires zu nutzen, um eine »Stadt der zwei Ufer« zu schaffen. Diese Vision basiert auf ökologischer Nachhaltigkeit, mit dem Ziel, die lokale Naturlandschaft zu erhalten und zu integrieren, Klimaneutralität zu erreichen und die Lebensqualität durch durchdachtes, menschenzentriertes Stadtdesign zu verbessern.

 

Entwicklung zu einer führenden intelligenten und nachhaltigen Stadt 

Das Fraunhofer IAO hat die strategische Vision von +Colonia auf der Grundlage der Projektprämisse und eines zukunftsorientierten Ansatzes definiert: +Colonia wird zu Lateinamerika führender intelligenter und nachhaltiger Stadt – zu einem blühenden Knotenpunkt für Innovation, Nachhaltigkeit und menschlichem Gedeihen, an dem Technologie dem Menschen dient und nicht umgekehrt.

Die wichtigsten Forschungsfragen, die in diesem Projekt untersucht wurden, drehten sich um das einzigartige öffentlich-private Entwicklungsmodell.

  • Integration und Standardisierung: Wie kann die neue, hochmoderne Infrastruktur von +Colonia so gestaltet werden, dass sie sich nahtlos in die bestehenden Systeme und Betriebspraktiken der nationalen Anbieter einfügt?
  • Innovation vs. etablierte Strukturen: Wie kann das Projekt die Grenzen intelligenter Infrastruktur und Technologie erweitern, wenn die langjährigen Betreiber möglicherweise etablierte, eher konventionelle Praktiken haben?
  • Governance und Zusammenarbeit: Welche Governance-Modelle und Kooperationsrahmen sind erforderlich, um während der Planungs-, Bau- und Übergabephasen eine reibungslose Koordination zwischen dem privaten Entwickler, den nationalen Versorgungsunternehmen und der lokalen Stadtverwaltung sicherzustellen?

Kohärent, messbar und prinzipienorientiert

© Fraunhofer IAO

Um die Vision von +Colonia zum Leben zu erwecken, leitete das Fraunhofer IAO einen Beteiligungsprozess mit lokalen Akteuren und schlug auf dieser Grundlage einen Umsetzungs-rahmen vor, der auf den Kernprinzipien des Projekts basiert. Der Rahmen gliedert die Stadtent-wicklung in zentrale städtische Ebenen wie Stadtstruktur, Mobilität, Energie, Gebäude, digitale Infrastruktur und öffentliche Dienstleistungen. Für jede Ebene wurde eine Hierarchie von Maßnahmen definiert – grundlegende, fördernde und wirkungsorientierte –, die als Leitfaden dafür dienen, wie Systeme im Laufe der Zeit initiiert, skaliert und optimiert werden sollten. Jede Maßnahme ist mit einer Reihe spezifischer KPIs verknüpft, das Monitoring, Rückverfolgung und adaptives Lernen ermöglichen. Zusammen gewährleistet dieses Rahmenwerk einen kohärenten, messbaren und prinzipienorientierten Weg vom Konzept bis zur Umsetzung in allen Aspekten der Stadtentwicklung.

© Fraunhofer IAO

+Colonia zielt darauf ab ein umfassendes, multimodales Mobilitätssystem umsetzen, das aktiven Verkehr, geteilte Mobilität und den öffentlichen Nahverkehr in den Vordergrund stellt und gleichzeitig neue Technologien nutzt, um einen nahtlosen, effizienten und nachhaltigen Personen- und Güterverkehr zu schaffen. Dieses System wird die Umweltbelastung minimieren, die Erreichbarkeit maximieren und lebendige, menschenzentrierte städtische Räume schaffen, die die Lebensqualität und die wirtschaftliche Vitalität steigern. Eine autoarme städtische Umgebung ist ein zentraler Pfeiler einer nachhaltigen Smart City, bei der fußgängerfreundliche Gestaltung, Fahrradinfrastruktur, effizienter öffentlicher Nahverkehr und Shared-Mobility-Dienste Vorrang vor dem privaten Autobesitz und -nutzung haben.

Die Mobilitätsstrategie muss die neue Bebauung nahtlos mit wichtigen bestehenden Knotenpunkten wie dem Fährterminal Colonia del Sacramento und der historischen Altstadt selbst verbinden und so bequeme und umweltfreundliche Fortbewegungsmöglichkeiten für Einwohner und Besucher gewährleisten.

Die mobilitätsorientierte Entwicklung zielt darauf ab, kompakte, gemischt-genutzte Stadtviertel zu schaffen, in denen alltägliche Bedürfnisse einfach gedeckt werden können. Zu den Schlüsselelementen gehören eine transitorientierte Entwicklung mit hoher Dichte und gemischter Nutzung rund um Verkehrsknotenpunkte. Fußgängerfreundliche Stadtviertel, die durch ein feinmaschiges Straßennetz und Fußgängerpriorität geprägt sind, sowie die »15-Minuten-Stadt« sind ebenso essenzielle Konzept der Umsetzungsstrategie. Weitere Schlüsselelemente sind autoarme Stadtviertel mit minimaler Präsenz von Privatfahrzeugen, die Integration von Mobilitätsknotenpunkten an multimodalen Verkehrsknotenpunkten, aktive Straßenfronten, die die Lebendigkeit der Straßen steigern, sowie eine flexible Parkstrategie, die sich an den sich wandelnden Bedarf an Fahrzeugabstellplätzen anpasst.

Für die Verkehrssimulation wurde ein einfacher, datengestützter Ansatz angewendet, um das Verkehrsaufkommen und die Anziehungskraft auf der Grundlage der städtischen Struktur von +Colonia abzuschätzen. Die Ausgangs-Ziel-Beziehungen wurden unter Verwendung einer verallgemeinerten Verteilungsannahme abgeleitet. Es wurde ein Basisszenario definiert, das die aktuelle Mobilitätssituation als ein autoabhängiges System darstellt, das stark auf der Nutzung von Privatfahrzeugen basiert und eine erhebliche Interaktion mit externen Stadtzentren aufweist. Es wurden mehrere alternative Szenarien entwickelt, um potenzielle Mobilitätsübergänge zu untersuchen:

  • Variationen in der regionalen Anziehungsdynamik wurden getestet, wobei die Verteilung der Fahrten zwischen nahen und weiter entfernten Zielen unter ansonsten ähnlichen Bedingungen verändert wurde.
  • Ein Übergang zu einem stärker lokalisierten, auf Nähe basierenden Stadtmodell wurde simuliert, wodurch der Bedarf an Fahrten ins Umland reduziert wurde.
  • Ein fortgeschrittenes Szenario bezog Konzepte der geteilten Mobilität ein, was zu einer stärkeren Reduzierung der Nutzung privater Fahrzeuge und entsprechenden Veränderungen der allgemeinen Verkehrsströme und der Nachfrageverteilung führte.

+Colonia (Auftraggeber)
Finanziert durch ANII, Nationale Innovationsagentur von Uruguay